Am Wochenende war mal wieder einer der besseren im Glas:
Clos Mogador 2000
Schillerndes Dunkelrot mit vilettem Saum.
Feine Beerenfrucht und Schlehe, Wildkirsch in der Nase.
Dann lebendige, aber nicht aufdringliche Säure am Gaumen, feine Fruchtgrundlage, nicht zu fett und konfitürig, Mineralik mit etwas Schiefer und "flüssigen Steinen".
Insgesamt trotz Dichte und Priorattypik nicht die schwerfällige oder alkoholische Streitaxt, sondern ein eleganter Säbel.
Für mich purer Weingenuß.
Sowohl zum Essen (bei mir war es rosa Lammrücken) als auch solo unbedingt zu empfehlen. Auch beim sechsten Glas kommt da keinerlei Langeweile auf...
Den würde ich gern nochmal im direkten Vergleich gegen 1999 und 2001/2004 trinken.
Auf jeden Fall um Längen besser als mein 1996er vor rund 15 Monaten.
Zum Wohle!
Der Weinonkel
Hallo Weinonkel,
Kann es sein, daß Prioratos nicht so für die längere Lagerung gedacht sind ?
Ich habe einen Font de la Figuera 2001 zu Hause, bei dem bemerke ich schon seit einiger Zeit einen merklichen Abbau.
Zitat:Kann es sein, daß Prioratos nicht so für die längere Lagerung gedacht sind ?
Unter Umständen ja.
Entweder der Ausbau war nicht handwerklich so perfekt, wie es sein sollte - dann kann der Wein vorzeitig an Kraft und Eleganz verlieren und irgendwann ganz kippen - oder es liegt an der Rebzusammensetzung. Manche Prioratweine haben einen hohen Anteil an Garnacha Tinta. Diese Rebsorte steht im Verdacht, früher der Oxidation zu erliegen. Das ist zwar nicht zwangsläufig so (kenne auch sehr gute 100% Garnachas mit deutlich mehr als 10 Jahren Alter), aber die Tendenz ist schon erkennbar.
Also, falls dein Wein mehr als ein die Hälfte Garnnacha-Anteil hat, würd ich es darauf schieben.
Vielleicht kommt aber auch eine schlechte Flaschenlagerung (beim Händler/Transporteur?!) in Betracht...
Generell war 2001 ein großes, hochwertiges Jahr mit bulligen, ausdauernden Weinen. Sollte also eigentlich passen.
Generell - das ist meine Erfahrung und Meinung - gebe ich einfacheren Prioratos (bis 30 Euro) bis acht bis zehn Jahren Potential, besseren (30 und mehr Euros) bis fünfzehn Jahren Lagerkraft evtl. sogar deutlich mehr, je nach Erzeuger und Rebsortenmix.
Wenn Du nicht den ganzen Keller voll Figuera 2001 hast, trink ihn auf oder versuch mal, wie er auf Dekantieren (2-6 h) anspringt. Manchmal passieren da auch Überraschungen...
Gruß
Weinonkel
PS: JKL (Jürgen) kann zu Thema sicher noch viel mehr Fundiertes beitragen...![/quote]
Und da hat es sich schon überschnitten... ;-))
Er weiß nicht nur mehr, er ist auch noch schneller!
Onkel
Erwarte gern deinen Bericht (hier oder jenseits dieses Forums).
Überleg doch mal, ob sich zu diesem Thema nicht eine gemeinsame 1998er 10-Jahres-Prioratprobe für 2008 organisieren ließe. Habe da so manche gute Einzelflasche auf der Startrampe...
Pforzheim, Frankfurt, Hamm, Hannover, Düsseldorf - eine gute Location findet sich doch sicher recht schnell, oder?!
Und Interessenten sicher auch... ;-))
Onkel
Weinonkel schrieb:Überleg doch mal, ob sich zu diesem Thema nicht eine gemeinsame 1998er 10-Jahres-Prioratprobe für 2008 organisieren ließe. Habe da so manche gute Einzelflasche auf der Startrampe...
Pforzheim, Frankfurt, Hamm, Hannover, Düsseldorf - eine gute Location findet sich doch sicher recht schnell, oder?!
Und Interessenten sicher auch... ;-))
Onkel
Hallo,
bitte im September 2008 oder spaeter

.
Dann weile ich auch wieder dauerhaft in Deutschland oder zumindest nah dran.
Viele Gruesse,
Darius
Hallo,
nachdem ich lange Zeit keinen Priorato mehr getrunken hatte, setzte mir gestern ein Freund diesen hier vor:
Der Wein hat sich sehr gut gehalten, wirkt auf mich allerdings einen Hauch zu gestylt. Kaufen würde ich ihn nicht unbedingt.
Viele Grüße
Bernd
Hallo, Bernd!
Was genau meinst du mit "gestylt"?
Moderner Stilrichtung isser schon, dieser Wein.
Wenn ich da an Les Terasses 1996 denke, meine ich aber, dass trotzdem viel draus werden kann. Für mich war der96er der bisher aufregendste "Kleine" unter den Prioratos, die ich kosten durfte.
>> Blaubeersaft mit einem Schuß Schieferextrakt.
Für rund 20 EUR kein Schnäppchen, aber auch kein Fehlkauf, wenn das Jahr gut ist.
Dicht können im Priorat viele, aber Spannung und Ausdruck haben nicht unbedingt alle im Programm...
Hast Du ein Beispiel für einen Dich faszinierenden Wein aus dieser Region?
Grüße
Weinonkel
Hallo Weinonkel,
mit "gestylt" meine ich die Zugeständnisse an den Maryland-Geschmack in Form von intensiv beeriger Frucht und deutlich wahrnehmbarer Süße ( die vor dem Hintergrund eines parallel getrunkenen kleineren BDX besonders herausstach). Verbunden mit diesem intensiv beerig-süßlichen Stil ist für mich ein klarer Mangel an Authentizität - blind könnte man diesen Wein auch für einen guten Australier oder einen ebenfalls international designten Italiener halten.
Jürgen wird jetzt wieder rufen, daß er nicht mit einem Wein kämpfen, sondern ihn genießen will. Auch ich trinke solche Beerenbomben ab und an (gestern!) durchaus sehr gerne, aber meinem Ideal

entsprechen sie halt weniger. Ein bißchen mehr Originalität im Ausdruck erwarte ich dann am Ende doch.
Hast Du ein Beispiel für einen Dich faszinierenden Wein aus dieser Region?
Nein, leider nicht. Die hochklassigen Prioratos sind mir vieeeel zu teuer, und die preiwerteren faszinieren mich nicht. Vor längerer Zeit gefiel mir mal ein bestimmter, mineralisch-würziger Jahrgang des Onix von der Vinicola del Priorat sehr gut (ich glaube, es war der 97er). Aber die Folgejahrgänge waren dann leider ziemlich schrottig und für mich eine massive Enttäuschung.
Ich gebe aber zu, daß ich mich mit spanischen Weinen generell kaum auskenne. Wenn ich zwanzig Euro und mehr für einen Roten ausgebe, wird das in den seltensten Fällen ein Spanier werden, eher ein deutscher oder burgundischer Burgunder, ein BDX, ein Südfranzose oder ein Sizilianer.
Viele Grüße
Bernd
Hallo miteinander,
einen wunderschön gereiften Prioratwein hatte ich (dank Audi

)am vergangenen Wochenende im Glas. Ein Kumpel hatte an einem Weinabend eine Wette verloren. Mein Einsatz war ein 2001er Jesuitengarten von B-W; er setzte diesen Wein, den er dann auch verlor:
Mas de Masos 1991, Capafons Osso.
Klares dunkles Rubinrot, kaum Orangetöne. Direkt nach dem Öffnen der Flasche ist der Wein sehr verschlossen: Möbelpolitur, dezente Brombeere. Ich war schon skeptisch ob der nicht vielleicht doch schon hinüber ist. Nach einer guten Stunde wurde es besser, Kirsche, Tannenduft, Brombeere, Pflaumen und Zimt, schöne Komplexiät. Am Gaumen ausgewogen, verspielt, kein "Marylandwein". Feine Kirschfrucht, mineralisch, harmonische Säure, fast schon burgundisch.. langer Abgang.
Auch am zweiten Tag stand der Mas de Masos wie eine Eins im Glas, am Dritten Tag (kleiner Probeschluck) war dann aber die Säure zu vordergründig.
92 Punkte
Hat jemand Erfahrungen mit jüngeren Jahrgängen, insbesondere 2001? Hätte da ein verlockendes Angebot für zwei Flaschen (unter 20€), das mich aber nur zum Kauf reizen würde, wenn das Gut seinem Stil treu geblieben ist.
Viele GRüße
Nikolai