Looide looide,
habe mir gerade einen Vergelegen 1998 ins Glas gehoben. Whow. Schon unmittelbar nach dem Öffnen verströmten sich Düfte nach roten Früchten, nach Zimt und Zedernholz. Weiche Tannine fand ich. Ein großer Wein kündigt sich an.. Prall, vollfruchtig. Wenn der noch Luft bekommen hat im Laufe des Abends, wette ich auf min 94 P. Im leeren ersten Glas noch mürbe Bowle-Frucht. Erdbeere? Es ist irre gut. Viel zu selten widmet man den Teilen neben der Haupt-Spur die rechte Aufmerksamkeit.
Hallo Bernd,
welchen Wein hattest du den von Vergelegen? Unser Besuch auf dem Weingut war zwar schon 1999 aber ich habe noch einige Notizen von 98er. Einen schönen Bericht hat Sven Zöpf in Wein+ über SA geschrieben. Er war vor kurzem 3 Wochen in SA unterwegs.
Gruß
Stefan
Nunja, hätte es ja auch nie gedacht, aber heute abend hatte ich mal einen Südafrikaner im Glas, bei dem ich dachte, na Du bist mir ja einer ...
Culemborg, classique red (bäh so eine Mischung von anglisk und french ist schon scharf) 2004.
Naja, man nimmt das man so hin. Und denkt sich seinen Teil. (Bernd B + Thomas Deck - oder denken nur wir so verquer?)
Na, jedenfalls hatte er ein leuchtendes violettes Rot mit einzubringen. Dazu reichte er mir einen reich gefüllten Beerenkorb in der Nase. Auch die zarte Schokolade war spürbar und ein Touch von Rauch. Sehr schöne Säure, die nach oben wanderte und nach mehr verlangte. Dieses Mehr war sehr animierend, war sehr weich und elegant und hatte einen sehr eleganten Abgang.
Das war schon kein schlechtes Gedicht, sondern ein sehr, sehr gutes, spontan fällt mir John Maynard von Fontanes ein. Er gibt alles ... Ende ist allen bekannt ...
Beste Grüsse Kerstin,
Wenn nicht, hier noch einmal nachgestellt, wie gesagt eine kleine Inspiration
Theodor Fontane: John Maynard
John Maynard!
»Wer ist John Maynard?«
»John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.«
* * *
Die »Schwalbe« fliegt über den Erisee,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: »Wie weit noch, Steuermann?«
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
»Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund.«
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
»Feuer!« war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.
Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich´s dicht,
Und ein Jammern wird laut: »Wo sind wir? wo?«
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -
Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
»Noch da, John Maynard?«
»Ja,Herr. Ich bin.«
»Auf den Strand! In die Brandung!«
»Ich halte drauf hin.«
Und das Schiffsvolk jubelt: »Halt aus! Hallo!«
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. -
»Noch da, John Maynard?« Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: »Ja, Herr, ich halt's!«
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die »Schwalbe« mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!
* * *
Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!
* * *
Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug im Zuge, das tränenleer.
Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
»Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.«
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Theodor Fontanes Ballade "John Maynard" wurde inspiriert durch eine tatsächliche Begebenheit. In der Nacht des 9. August 1841 geriet der Raddampfer "Erie", mit zahlreichen deutschen Auswanderern an Bord auf dem Weg von Buffalo nach Chicago, nur wenige Meilen nach Auslaufen in Brand. Kapitän Titus befahl seinem Steuermann, der in Wahrheit Fuller hieß, Kurs auf die Küste zu nehmen. 250 Passagiere kamen in den Fluten des Eriesees um - nicht aber der Steuermann selbst, der mit schweren Brandwunden an Land gebracht werden konnte. Den Namen "John Maynard" erhielt der "Steuermann vom Eriesee" in einer Legende, die am 12. September 1845 im "Buffalo Commercial Advertiser" erschienen war. Noch heute erinnert die obige Gedenktafel in Buffalo an die "Legende von John Maynard". Das oben abgebildete Schiff ist die "Erie Belle", die 1862 durch eine Explosion auf dem Ontariosee das Schicksal ihres früheren Namensvetters teilte und sank.
Hallo Kerstin,
bei "John Maynard" muss ich wiederum an den "Erlkönig" denken, bzw. an die moderne Fassung "Dalai Lama" von Rammstein:
http://german.about.com/library/blmus_rammst05.htm 
Viele Grüße
Werner
P.S. Wie wäre es mit einem Thread "Wein und Gedichte":question:
Hallo Werner,
coole Idee. Manchmal hat man ja auch so seine poetischen Phasen!

Mich beeindruckte bei diesem Wein das erste Mundgefühl, erinnerte mich etwas an eine Welle, was mich weiter zur Gischt führte und diese wiederum führte weiter zur Schwalbe, die über den Eriesee fliegt ... usw. Wenn ich mal wieder so eine poetische Phase habe, werde ich mal Deinem Wunsche Folge leisten. Vielleicht kommt ja auch ein eigenes Gedicht zustande, aber ich will mich jetzt nicht in selbst auferlegten Zwängen verstricken.
Viele Grüsse Kerstin
P.S. Wenn ich mir so manche cover's von Rammstein begucke, denke ich eigentlich mehr an Horrorpictures, als an Poesie
Hallo,
ist zwar schon etwas länger her aber gut in Erinnerung geblieben.
1998er Asara Merlot Südafrika, Stellenbosch.
Toller Merlot. Wunderbares kompaktes Beerenbouquet mit Mokka-Schokotönen.
Der Gaumen weit ausladend und breit, wiederum dunkle Beeren und Schokolade.
Schöner Abgang 85P.
Für 12€ erstanden, war das ein sehr gutse PLV.
Schade das man den Wein nur über die Sansibar beziehen kann, dort ist er mir zu teuer.
Gruss Olli
Kopier's auch noch mal gerne hieher:
Hallo Markus,
ich mag den späten Cash auch sehr gerne, spät entdeckt, vor ca. einem Jahr. Seine letzte CD fasziniert mich am meisten und Dir zu Ehren habe ich "The Man comes Around" nochmal aufgelegt, obwohl ich vorher dem Bach frönte.
Hm, habe sogar nicht mal was historisches anzubieten, nur einen 2002-er Jordan, Blanc fume von Stellenbosch.
In der Nase ein sehr mineralisches Aroma, etwas Rosine, verbrannte Erde, im Mund eine kräftige Säure, mit einem unkombinierbaren süsslichen Nachgeschmack, ups 13,5% Alc., ein Sauvignon Blanc, naja, ich vermisse die frische weisse Beerenfrucht.
Aber passt zum Cash!
Beste Grüsse Kerstin
Hallo alle miteinander,
Um diesem (scheinbar;-) verwaisten Thread mal wieder etwas Leben einzuhauchen mal schnell die Notizen, welche ich mir zum gestrigen "Absacker Wein" im Garten gemacht habe.
1997 Grangehurst Pinotage, Stellenbosch SA
In der Nase intensive Aromen von Cantaloupe Melone sowie Pflaumen und Himbeeren, gepaart mit einer eher leichten, typischen Pinotage Nase ( Leder, Pferdestall, Erde). Im Mund dann eher mehr "Terroir" als Frucht, mit wunderschön mürben Tanninen und einem herben dezent animalischen Charakter. Gute Länge und schöne Räuchernoten , sowie eine belebende Säure im Abgang. Hat noch Potential. (86+)
Erstaunlich, wie gut sie dieser Wein entwickelt hat, vorallem wenn man bedenkt, dass 1997 für Südafrikanische Weine nicht unbedingt ein Top-Jahrgang war, sondern eher untypisch leichte Weine hervorgebracht hat. So hat dieser Granghurst auch nur sagenhaft wenige 12,5 %, für Südafrikanische Verhältnisse also fast gefärbtes Wasser ;-) .
Schönen abend noch
Marc
Am letzten Wochenende kam mal wieder einer meiner Lieblingsweine ins Glas und ich muß zugeben das ich froh bin noch einige Flaschen davon im Keller zu haben... .
Der Wein ist ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und etwas Malbec, also eigentlich ein Bordeaux Blend.
1998 Veenwouden Classic, Veenwouden Private Cellar, Paarl- SA
In der Nase wunderbar klare Noten von Cassis und Pflaumen unterlegt von Tabaknoten und Gewürzen, sowie süßen Noten.
Im Mund dann eine wunderbarer Harmonie von roten und schwarzen Beeren, Kräutern, Tabakkiste, Rauch, mineralischen Noten und immer noch präsentem Süßholz. Wirkt immer noch extrem druckvoll am Gaumen und besticht durch seine immense Dichte und die sehr feinen Tannine, sowie einem sehr! langen, herzhaft fleischigen Abgang.
Ein großer Wein, mit Potential noch besser zu werden. (92+)
Ein ganz großer Wurf und bisher der beste Classic den ich verkostet habe, da kommt auch der 2000er nicht annähernd mit, dem Onkel Bob

seinerzeit immerhin 90+PP antat... .
Einen Gruß in die öde Weite dieses Threads
Marc