Ich möchte hier keinerlei Werbung betreiben, und sollte ich diesen Eindruck erwecken ersuche ich ausdrücklich um Löschung meines Postings.
Im Thread MK, Chips und Co. kam mir die Idee, mal ganz konkret die Weintechnologie an einem Beispiel darzustellen. Das kann ich natürlich nur an meinen Weinen tun und daher bentutze ich Bernds VKN, um ganz konkret die Herstellung dieses Weines zu beschreiben:
Traminer Ober dem Mühlweg 2004:
Der Jahrgang erbrachte sehr reife Traminertrauben mit für Traminer relativ hohem Säuregehalt und ohne Botrytis, was bei uns eher eine Seltenheit ist. Aus diesen Gegebenheiten entstand die Idee, eine kleine Teilmenge unseres Traminer nicht wie gewohnt süß sondern, durchaus "eigenwillig" alkoholstark und relativ trocken auszubauen. Das geht nur mit gesunden Trauben (ohne Botrytis) wirklich gut, mit nicht zu wenig Säure und bei richtig ausgereiften Trauben (wegen der angestrebten "reifen" Aromatik).
Die Trauben wurden frühmorgens bei sehr kaltem Wetter (3°C) gelesen, gerebelt, mit ca. 30 mg SO2 pro Liter geschwefelt und etwa 24 Stunden auf der Maische stehengelassen. Die Kälte der Trauben ermöglichte in diesem Fall einen Verzicht auf technische Kühlung und trotzdem eine eigentlich extrem Lange Maischestandzeit zur Aroma- und Extraktstoffauslaugung aus der Schale.
Nach der Pressung (pneumatisch) wurde der Saft etwa 24 Stunden absetzen gelassen. Durch die Schwerkraft sanken die Trubteilchen (Erde, Fruchtfleisch, kleine Kerne,...) nach unten und dieser Bodensatz wurde sehr großzügig abgetrennt um einen relativ klaren Saft zu erhalten.
Anschließend kam der Saft "provisorisch" in einen Edelstahltank, in dem nach einem weiteren Tag sehr langsam die Spontangärung einsetzte. Meine Vorstellung von diesem Wein (ein Einzelstück, da wir Traminer sonst als süße Spätlese ausbauen) war ein halbtrockener oder trockener Wein mit ein paar Gramm Restzucker. Durch die Kälte, die strenge Vorklärung und den Verzicht auf Reinzuchthefen erhoffte ich mir (vergeblich

) eine nicht völlig vollständige Gärung, also ein paar Gramm Restzucker ohne technische Gärungsunterbrechung.
Nach zwei oder drei Tagen mit sehr langsamer Gärung wurde der Traminer in zwei ältere Barriques umgepumpt, eines zum dritten und eines zum vierten Mal befüllt (französische bzw. österr. Eiche), d.h. beide schon relativ geschmacksneutral.
Die Gärung kam langsam in Schwung, wegen der niedrigen Ausgangstemperatur war eine Kühlung der Fässer aber während der gesamten Gärdauer nicht notwendig. Wider erwarten/erhoffen gärten beide Fässer vollständig durch. Um einen spontanen Säureabbau zu vermeiden wurde relativ bald nach Gärende mit etwa 40 mg/l geschwefelt, zur Bereicherung des Weines durch Hefearomen und -inhaltsstoffe wurde die Hefe regelmäßig aufgerührt, um ein natürliches Absetzen und damit eine geringere Oberfläche zu vermeiden.
Vor allem eines der beiden Fässer zeigte in dieser Zeit eine leichte Acetonnote. Um trotz zu befürchtender negativer Entwicklungen (die meist in der Hefe ihren Anfang nehmen) die Vorteile des Ausbaus mit Hefe nützen zu können wurde ein Faß von der Hefe abgezogen (relativ klarer Wein herausgepumpt, trüber Hefe-Bodensatz aus dem Faß gewaschen, Wein wieder zurückgepumpt) und die Hefe eines anderen Weines zugegeben. Es war ein "gesunder" Hefebodensatz vom Chardonnay (glaub ich), in einer Menge von 5 oder 10 Liter auf 225l Wein.
Ab etwa Dezember stellte ich das Heferühren ein, der Wein reifte unberührt, aber laufen verkostet

, weiter. Ende Mai wurde er aus den Fässern und von der Hefe abgezogen (trüber Bodensatz im Faß belassen) und in einem Stahltank gemischt. Eine Laboranalyse stellte mangelnde Eiweißstabilität fest, beim sehr eiweißhaltigen Traminer keine wirkliche Überraschung. Um späteren Trübungen in der Flasche vorzubeugen führten wir eine Bentonitschönung durch (die Menge weiß ich nicht mehr auswendig). Bentonit ist ein gereinigtes, aufbereitetes und fein vermahlenes Tonerdepräparat, das labiles Eiweiß aus Wein entfernen kann. Es bindet Eiweiß (und in sehr kleinem Umfang auch, wie jede Schönung, Aromastoffe) an sich, sinkt zu Boden und wird nach ein bis zwei Wochen vollständig aus dem Wein entfernt.
Um den gewünschten Restzucker doch noch zu kriegen (etwa vier Gramm) haben wir in dieser Phase ein paar Prozent Traminer Spätlese süß (gleicher Weingarten, durch Gärungsunterbrechung süß) dazuverschnitten. Der SO2-Wert wurde auf das bei der Füllung übliche Niveau (etwa 40 bis 45 mg frei) eingestellt und der Wein Mitte Juni vom Bentonit weg filtriert und direkt in Flaschen gefüllt - unsere ersten Schrauber übgrigens
Für unsere Verhältnisse ist das sehr wenig "Technologie". Nichts davon wäre nicht auch schon vor einigen Jahrzehnten technisch möglich gewesen. In Sachen Hefe-"Management" wäre es damals aber, wenn überhaupt so gemacht, eher Intuition als echtes Know-How gewesen.
Grüße
Bernhard