07.04.2006, 21:24
Hallo,
ich habe lange überlegt, mit welchem Wein man den Burgund-Thread stilvoll eröffnen könnte. DRC wäre wohl etwas übertrieben und außerdem habe ich auf die Schnelle in meinem Keller keinen gefunden.
Es sollte einer von der Côte de Nuits werden, etwas charaktervolles, schönes, kein völliger Exot, nun ich bin bei diesem hier gelandet:
Domaine Robert Chevillon Nuits St. Georges
Les St. Georges 1er Cru 1996
Robert Chevillon, der seine Domaine gerade so langsam an seine beiden Söhne übergibt, ist keine der großen Lichtgestalten an der Côte d'Or. Sein Bekanntheitsgrad hält sich in Grenzen und "Öffentlichkeitsarbeit" findet auch nicht wirklich statt. Trotzdem ist es gar nicht so einfach, einen seiner Weine zu finden, besonders die aus guten Jahren und aus den Lagen Les Vaucrain und Les St Georges sind eher selten in Deutschland. Obigen haben wir denn auch vor Ort erstanden.
Die Les St. Georges liegt südlich von Nuits und bringt, so sagt man, aufgrund des hohen Gehaltes an Eisensteinen einen Wein hervor, der in seiner Jugend eher kantig ist, dafür aber hervorragend altert.
Monsieur Chevillon hält die Kaltmazeration für vordergründigen modischen Schnickschnack, er bevorzugt nach weitgehender Entrappung eine lange (drei bis vier Wochen) Maischung und Vergärung bei nicht zu niedrigen Temperaturen. Der Ausbau erfolgt nur zu geringem Teil in neuen Fässern, maximal zu einem Drittel bei den großen Lagen in großen Jahren.
Vielleicht ist das der Grund warum seine Weine bei aller Kraft eher elegant und klar strukturiert sind, das zeigt sich oft in einer etwas aufgehellten Farbe. Allerdings nicht bei diesem Wein, der wohl aufgrund des guten Jahrgangs mehr Extrakt mitbekommen hat, aber trotzdem beileibe kein Monster ist.
Kühle Fruchtnoten, Himbeeren, Kirschen und Johannisbeeren finden sich, etwas Veillchen, aber mit zunehmender Zeit im Glas werden diese Aromen von Unterholz und Pilzen und etwas trüffeligem verdrängt. Für Chevillon-Verhältnisse ist der Wein fast ein Schmeichler, obwohl ihm Säure, eine gewisse Härte und auch etwas Adstringenz nicht abgehen. Er hat eine beträchtliche Tiefe und Komplexität, wie man es von einem guten Burgunder von der Côte de Nuits erwartet. Es ist ungemein schwierig sich auf ein einzelnes Aroma zu konzentrieren, kaum meint man es "erwischt" zu haben, ist es weg und wird durch etwas anderes ersetzt.
Bei uns gab es heute gebratene Kalbsnieren mit Steinpilzen dazu. Die im letzten Herbst eingefrorenen Steinpilze hatten allerdings etwas Aroma eingebüßt, das gibt Punktabzüge für die Küche.
Jetzt sitzen wir hier, mit dem letzten Glas, der Wein ist -wie wir- im Laufe des Abends noch entspannter und entgegenkommender geworden.
Es ist klasse zu wissen, dass noch ein paar Flaschen davon im Keller sind.
Schönes Wochenende
Matthias
ich habe lange überlegt, mit welchem Wein man den Burgund-Thread stilvoll eröffnen könnte. DRC wäre wohl etwas übertrieben und außerdem habe ich auf die Schnelle in meinem Keller keinen gefunden.

Es sollte einer von der Côte de Nuits werden, etwas charaktervolles, schönes, kein völliger Exot, nun ich bin bei diesem hier gelandet:
Domaine Robert Chevillon Nuits St. Georges
Les St. Georges 1er Cru 1996
Robert Chevillon, der seine Domaine gerade so langsam an seine beiden Söhne übergibt, ist keine der großen Lichtgestalten an der Côte d'Or. Sein Bekanntheitsgrad hält sich in Grenzen und "Öffentlichkeitsarbeit" findet auch nicht wirklich statt. Trotzdem ist es gar nicht so einfach, einen seiner Weine zu finden, besonders die aus guten Jahren und aus den Lagen Les Vaucrain und Les St Georges sind eher selten in Deutschland. Obigen haben wir denn auch vor Ort erstanden.
Die Les St. Georges liegt südlich von Nuits und bringt, so sagt man, aufgrund des hohen Gehaltes an Eisensteinen einen Wein hervor, der in seiner Jugend eher kantig ist, dafür aber hervorragend altert.
Monsieur Chevillon hält die Kaltmazeration für vordergründigen modischen Schnickschnack, er bevorzugt nach weitgehender Entrappung eine lange (drei bis vier Wochen) Maischung und Vergärung bei nicht zu niedrigen Temperaturen. Der Ausbau erfolgt nur zu geringem Teil in neuen Fässern, maximal zu einem Drittel bei den großen Lagen in großen Jahren.
Vielleicht ist das der Grund warum seine Weine bei aller Kraft eher elegant und klar strukturiert sind, das zeigt sich oft in einer etwas aufgehellten Farbe. Allerdings nicht bei diesem Wein, der wohl aufgrund des guten Jahrgangs mehr Extrakt mitbekommen hat, aber trotzdem beileibe kein Monster ist.
Kühle Fruchtnoten, Himbeeren, Kirschen und Johannisbeeren finden sich, etwas Veillchen, aber mit zunehmender Zeit im Glas werden diese Aromen von Unterholz und Pilzen und etwas trüffeligem verdrängt. Für Chevillon-Verhältnisse ist der Wein fast ein Schmeichler, obwohl ihm Säure, eine gewisse Härte und auch etwas Adstringenz nicht abgehen. Er hat eine beträchtliche Tiefe und Komplexität, wie man es von einem guten Burgunder von der Côte de Nuits erwartet. Es ist ungemein schwierig sich auf ein einzelnes Aroma zu konzentrieren, kaum meint man es "erwischt" zu haben, ist es weg und wird durch etwas anderes ersetzt.
Bei uns gab es heute gebratene Kalbsnieren mit Steinpilzen dazu. Die im letzten Herbst eingefrorenen Steinpilze hatten allerdings etwas Aroma eingebüßt, das gibt Punktabzüge für die Küche.

Jetzt sitzen wir hier, mit dem letzten Glas, der Wein ist -wie wir- im Laufe des Abends noch entspannter und entgegenkommender geworden.
Es ist klasse zu wissen, dass noch ein paar Flaschen davon im Keller sind.
Schönes Wochenende
Matthias
![[Bild: 8935.gif]](http://vkn.ats-vienna.com/vknimg/8935.gif)


