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Hallo,

ich habe lange überlegt, mit welchem Wein man den Burgund-Thread stilvoll eröffnen könnte. DRC wäre wohl etwas übertrieben und außerdem habe ich auf die Schnelle in meinem Keller keinen gefunden. Wink

Es sollte einer von der Côte de Nuits werden, etwas charaktervolles, schönes, kein völliger Exot, nun ich bin bei diesem hier gelandet:

Domaine Robert Chevillon Nuits St. Georges
Les St. Georges 1er Cru 1996


Robert Chevillon, der seine Domaine gerade so langsam an seine beiden Söhne übergibt, ist keine der großen Lichtgestalten an der Côte d'Or. Sein Bekanntheitsgrad hält sich in Grenzen und "Öffentlichkeitsarbeit" findet auch nicht wirklich statt. Trotzdem ist es gar nicht so einfach, einen seiner Weine zu finden, besonders die aus guten Jahren und aus den Lagen Les Vaucrain und Les St Georges sind eher selten in Deutschland. Obigen haben wir denn auch vor Ort erstanden.

Die Les St. Georges liegt südlich von Nuits und bringt, so sagt man, aufgrund des hohen Gehaltes an Eisensteinen einen Wein hervor, der in seiner Jugend eher kantig ist, dafür aber hervorragend altert.

Monsieur Chevillon hält die Kaltmazeration für vordergründigen modischen Schnickschnack, er bevorzugt nach weitgehender Entrappung eine lange (drei bis vier Wochen) Maischung und Vergärung bei nicht zu niedrigen Temperaturen. Der Ausbau erfolgt nur zu geringem Teil in neuen Fässern, maximal zu einem Drittel bei den großen Lagen in großen Jahren.

Vielleicht ist das der Grund warum seine Weine bei aller Kraft eher elegant und klar strukturiert sind, das zeigt sich oft  in einer etwas aufgehellten Farbe. Allerdings nicht bei diesem Wein, der wohl aufgrund des guten Jahrgangs mehr Extrakt mitbekommen hat, aber trotzdem beileibe kein Monster ist.

Kühle Fruchtnoten, Himbeeren, Kirschen und Johannisbeeren finden sich, etwas Veillchen, aber mit zunehmender Zeit im Glas werden diese Aromen von Unterholz und Pilzen und etwas trüffeligem verdrängt. Für Chevillon-Verhältnisse ist der Wein fast ein Schmeichler, obwohl ihm Säure, eine gewisse Härte und auch etwas Adstringenz nicht abgehen. Er hat eine beträchtliche Tiefe und Komplexität, wie man es von einem guten Burgunder von der Côte de Nuits erwartet. Es ist ungemein schwierig sich auf ein einzelnes Aroma zu konzentrieren, kaum meint man es "erwischt" zu haben, ist es weg und wird durch etwas anderes ersetzt.

Bei uns gab es heute gebratene Kalbsnieren mit Steinpilzen dazu. Die im letzten Herbst eingefrorenen Steinpilze hatten allerdings etwas Aroma eingebüßt, das gibt Punktabzüge für die Küche. Wink

Jetzt sitzen wir hier, mit dem letzten Glas, der Wein ist -wie wir- im Laufe des Abends noch entspannter und entgegenkommender geworden.

Es ist klasse zu  wissen, dass noch ein paar Flaschen davon im Keller sind.

Schönes Wochenende
Matthias
Hallo Matthias,

ein mit viel Genuß zu lesender Beitrag. Ich hoffe sehr auf gelegentlichen Nachschub!

Ich trinke die burgundischen Burgunder sehr gerne, kaufe sie aber (vermeintlich mangels Masse) nur sehr selten.
Auf der anderen Seite bin ich immer wieder bereit, für eine Riesling-Auslese 20 Euronen und mehr auszugeben. Da muß es sich wohl um ein psychologisches Phänomen handeln. Vielleicht ist es auch ein klassischer Teufelskreis: Um die richtig guten Weine eines bestimmten Anbaugebiets adäquat würdigen zu können, muß man eine Reihe von "Referenzweinen" getrunken haben. Und in punkto Burgund stehe ich da immer wieder vor preislichen, aber auch erkenntnistechnischen Schranken. Leider!!

Herzliche Grüße

Bernd
Hallo zusammen,

ja, Burgund ist auch für mich ein Minenfeld, aber gelegentlich findet ja auch ein blindes Huhn ein Korn. In diesem Fall ist das der Pommard Les Combes von Joseph Voillot 1995, der frisch mit feinem Kirsch-Erdbeerduft daherkommt und trotz seines ausgeprägten Tannins doch sehr elegant wirkt. Starker, aber feiner und langer Nachhall. Ich glaube, der Wein ist noch etwas zu jung ?

Viele Grüsse

Markus
Hallo,

gestern hatte ich Besuch von Torsten, der vielen von euch durch taw als thvins bekannt sein dürfte.

Markus war auch mit von der Partie. Wir tranken unter anderen einen vorzüglichen Cotes d´Auxerre:
[Bild: 8935.gif]

Laut Torsten hat der Wein damals im Einkauf weniger als 10 Euro gekostet...

Viele Grüße

Bernd
Hallo,

Eine Flasche des 1996ers habe ich auch noch. Genauso wie ihr sehe ich den Wein auch, glaube aber, dass es jetzt schon so langsam Zeit wird für ihn.

Die Domaine Goisot ist übrigens nicht nur für ihren Pinot noir zu empfehlen, auch ihr Chardonnay Bourgogne Côtes d’Auxerre macht so manchem Chablis das Leben schwer.

Darüber hinaus gibt’s in dieser hier noch eine Besonderheit, den Sauvignon de St. Bris. Goisot setzt für der Corps de Garde die (den?) „Fié gris“ ein, eine alte Rebsorte, vermutlich der „Vorläufer“ des Sauvignon blanc. Richtig gut. Aber das hat Thorsten bestimmt auch alles erzählt.Big Grin

Viele Grüße
Matthias
Hallo Matthias,

weißt du auch eine deutsche Bezugsquelle für Goisot? Mich erstaunt es ja schon, daß diese Weine bislang so unbekannt geblieben sind.

Viele Grüße

Bernd
Hallo Bernd,

ja der Unbekanntheitsgrad Wink dieses Weinguts, vor allem in Deutschland, ist wirklich erstaunlich. Dabei taucht die Domaine seit vielen Jahren mit schöner Regelmäßigkeit als Coup de Coeur- Gewinner im Guide Hachette auf. Mal mit dem Pinot noir (zuletzt mit dem 1999er) mal mit dem Irancy, mal mit dem Fié gris.

Ich importiere meist selbst, aber bei Bernd Kreis in Stuttgart (http://www.wein-kreis.de/) hab ich die Weine schon im Katalog gesehen.

Viele Grüße
Matthias
Hallo Forum,

passend zu den Beitrag von Matthias, hier ein Stimmungsbild von Burgund (letzte Woche aufgenommen).

Chorey les Beaunes

"Chorey les Beaunes" liegt auf der "falschen" Seite von der N74 also dort wo es keine Hänge gibt. In feuchten Jahren steht das Wasser dann plötzlich da. Insbesonders wenn man Bodenbarbeitung zu einem falschem Zeitpunkt macht führt die Verdichtung verursacht durch den Schlepper zu Staunässe (ahhhmpff!). Ich brauche wohl nicht zu sagen das die Weine aus Chorey generell nicht die Finesse besitzen wie die Premier Cru's in der Gegend Wink

Die Natur hinkt dort zur Zeit 14 Tage hinterher (wenn nicht drei Wochen!). Wenn man weiss, das der Pinot Noir nicht wie der Riesling im Herbst ewig lange hängen kann, würde ich mein Keller mit den jetzt verfügbaren Jahrgängen füllen... ToungueToungueToungue

Aber hoffentlich holen wir das auf...

Viele Grüße

Lars
Am 28. und 29. April 2006 fand im Ramada Inn Hotel in Niedernhausen bei Wiesbaden eine Burgunderverkostung statt, wobei das Thema des ersten Abend's kleine Villagelage, aber grossartige Weine für kleines Geld lauten sollte und das Motte des zweiten Abend's Grand Cru Lagen im Burgund.
Klaus hatte diese Weinproben gut vorbereitet, so dass noch genug Eindruck verblieb, diese Weine zu beschreiben, was ich nun mal von mir gebe.
Kulinarisch gesehen, muss ich ganz ehrlich sagen, da verkneife ich mir einfach lieber mal einen Kommentar, die Hamburger Bunch weiss schon, was sie an ihrem Franco hat. Ganz nebenbei mal, war das wirklich Risotto am ersten AbendQuestion

Nun aber:

Freitag, 28. April 2006 – Wiesbaden Niedernhausen

1. Claude Dugat; Bourgogne 2000 (Basiswein)
Ein hellerer Rotton wird durch einen schmalen Wasserrand begrenzt. Eine herrlich dunkle Nase, vorwiegend Leder. Trotz der knackigen Säure wirkt er charmant weich und besitzt eine schmeichelhafte Süsse, die ihm gut zu Gesicht steht. 88 iP

2. Domaine Leroy; Bourgogne 1995
Hier eine wesentlich dunklere Farbe, an Frucht erkennbar, Schlehen, Kirschen eine leichte Anisnase, aber trotz seiner Frische im Mund, wirkt er für mich durch die anspringende Säure etwas unharmonisch. 86 iP

3. Marquis d'Angerville; Volnay, Taillepieds 1996
Eine dunkle Farbe im Glas wird zur Nase geführt. Ah, Kaffeenoten, mit einem Hauch Vanille, Himbeeren ein verschämter Hauch Pflaume präsentiert sich mir. Eine ausgeprägte Säure mit schön eingebundenen Tanninen umrunden das Bild. 87 iP

4. J.C. Fourrier; Morey St. Denis 1985
Auch hier eine dunkle Farbe, die wunderbare Anistöne von sich geben. Ein kleiner jodischer Touch, den ich sehr mag, paart sich mit einem kleinen Erdbeerhauch. Eine schöne klare Tiefe, ach er wirkt einfach wunderbar schlank und elegant. 90 iP

5. Dom. de l'Arlot; Nuits St. Georges 1989
Er besitzt einen kleinen Wasserrand und hat eine angenehme pflaumige Farbe. Auch hier eine jodige Nase und der Wein besitzt eine feste Struktur. 88 iP

6. Ponsot; Bourgogne 2001
Naja, verhaltene Nase, am Gaumen zwar sehr fruchtig aber etwas flach. 83 iP

7. Bernard Morey; Santenay Clos Rousseau, 1er Cru 1983
So, mein erster jenseits der 90 Punkte Kandidaten betritt das Terrain. Eine dunkle Farbe offeriert eine würzige kräutrige Nase, Rauch, Erdbeeren, Tabaknaoten auch mineralische Noten gibt er preis. Im Mund folgt ein kräftiger Biss, der hat Struktur, eine wunderbare mineralische Säure und einen langen Abgang. 91 iP

8. Denis Mugneret; Griottes Chambertin, Grand Cru 1982
Und als ob es nicht genug wäre geht es in meinen Augen hochkarätig weiter, sogar besser. Auch hier eine dunkle geheimnisvolle Farbe, in der Nase - erdig, Honig-, leichte Stall- und leichte Rhabarbernoten. Der ist saftig, der ist vollmundig und verfügt über eine sagenhafte Tiiiiiiiiefe. 95 iP

9. Chevalier Père & Fils; Ladoix 1989
Auch hier eine dunkle Farbe, in der Nase Schinken und Marzipan (dolle Kombination) Er blieb wertfrei, weil von einem Flaschenfehler ausgegangen wurde.

10. Domaine Marion; Fixin 1er Cru 1990, Clos du Chapitre
Hier fand ich deutliche oxydative Noten, einen Touch Anis, ein paar Schlehen, er hat wohl auch noch etwas Tiefe. Naja 85 iP

11. Georges Lignier & Fils; Bonnes Mares Grand Cru 1988
Hier habe ich deutliche Meeresfrüchte in der Nase, aber auch Cassis und kalten Rauch. Er verfügt über eine schmeichelnde Säure, die dem ganze eine angenehme Frische verleiht. Er besitzt eine schöne Struktur, wirkt sehr saftig und kernig im Biss. Grossartiger Wein. 94+ iP

12. Romané Conti; La Tache 1995
Wunderbare Noten von Karamell, Hollunder, Tabak, Anis und Kräutern kitzeln das Gemüt und fordern zum Trinken auf! Eine schmelzende Säure verbreitet sich, der sowas von komplex rüberkommt, der hat Niveau, Charme und Sexappeal. 95 iP

13. Remoissenet Père & Fils, Montrachet Grand Cru 1996
Der Abschluss der ersten Burgunderrunde gab Noten von weisser Johannisbeere wieder und Bananen. Eine strenge Säure, aber nicht störend wirkend. In meinen Notizen steht, er hat was von einem Catcher, ähm, na dann ist das wohl so. 91 iP


Samstag, 29. April 2006 – Wiesbaden Niedernhausen

1. Ramonet; Chassagne-Montrachet, Clos de la Bondriotte 1988
Ein tiefes Rot strahlt mir entgegen. Er gibt etwas von Wldbeeren und Zedernholz preis. Die Säure wirkt etwas pikant, trotz alledem bleibt seine Eleganz erhalten und Länge, Länge, Länge ... 91 iP

2. Robert Groffier; Chambolle-Musigny Les Amoureuses 1983
Stimmenthaltung, da das Maggi und die in meinen Augen etwas ausgezerrte Säure das ganze etwas over the point sah

3. Roumier; Ruchottes Chambertin 1982
Hach, hier sehr schöne Noten von Blaubeere, roter Frucht, Kirschnoten, Granatapfel, die Appetit auf mehr machen. Eine frische Säure und eine angenehme Saftigkeit schlossen den Kreis. 91 iP

4. Ramonet; Chassagne-Montrachet, Clos de la Bondriotte 1990
Oh, hier kommen mir rauchige Noten entgegen, Zedern, eine interessante Würzigkeit und ein kleiner Touch Bitterorange. Er verfügt über eine angenehme Süsse, die Tannine toll eingebunden, kommt er weich, rund und schmelzend rüber. 93 iP

5. Roumier; Chambolle Musigny "Les Amoureuses" 1er Cru 1983
Hier habe ich etwas von Bittermandel in der Nase, auch jodige Noten, kalter Rauch, Himbeeren, Würze, eine anspringende Säure, die schon etwas ausgezerrt wirkt, lassen die Fruchtigkeit am Gaumen nicht mehr so zu Zuge kommen, wie sie es mal war. 88 iP


6. Armand Rousseau; Clos de la Roche 1994
Ah, hier haben wir wieder was sehr feines, kandierte Früchte, Karamell, auch wieder eine kleine Jodigkeit, Creme Brûlet finden sich in der Nase. Im Mund wirkt er weich, zart, rund, besitzt eine elegante Fruchtigkeit, die mit einer eleganten Säure abgerundet wird. 93 iP

7. Domaine Leroy; Clos de Vougeot 1992
In der Nase wirkt er leicht käsig, aber schwarze Beeren und eine fruchtige und angenehme Säure machen das Ganze wieder wett. 92 iP


8. Comte Senard; Corton Grand Cru 1990
Kork

9. Ponsot; Chambertin 1992
Ich weiss nicht genau, ob es am Dessert lag, welches neben dem Wein stand, aber hier mal meine Eindrücke:
In der Nase Sahne, Erdbeeren, Rhabarber, Vanilleschoten, Pfeffer eine schöne Würzigkeit, der war in meinen Augen sehr schön. 96 iP

10. Georges Lignier & Fils; Bonnes Mares Grand Cru 1988
Eine Geruchsmischung aus Erdbeeren, etwas Minze, Jod und Moosen bietet dieser Wein. Im Mund wirkt er erfrischend kühl, saftig und vollmundig. Schöner Wein. 95 iP

11. Romané Conti; La Tache 1995
Hier tun sich Gerüche von Himbeeren und Eukalyptus auf. Ich kann gar nicht glauben, dass wir hier denselben Wein wie am Freitag hatten (war er zu lange offen). Die Säure war mir zu vordergründig, er wirkte ruppig, aber nicht unschön. Tja, gestern noch 95 iP, reicht es heute nur noch zu 90+ iP

12. Dom. Mugneret, Vosne Romanée 1er Cru 1976
Irgendwie fehlen mir bei den nächsten zwei Weinen die Beschreibungen, hängt wohl damit zusammen, dass ich von den wirklich guten Sachen nichts wegschütten wollte. Aber immerhin gibt es noch Wertungen:
Hier 94+ iP, also muss schon richtig gut gewesen sein.

13. Albert Morey; Chassagne Montrachet Champs-Gains 1er Cru 1978 und hier 94 iP, also wohl von mir auch nicht verachtet.

An dieser Stelle nochmals Dank an Klaus, für die Mühe und Organisation, für die Wiesbadener Küche kannst ja nix. Wink

Viele Grüsse Kerstin
Hallo Klaus,

ich würde ganz gerne noch persönliche Eindrücke von den Weinen mitbekommen, die Punkte sind so unpersönlich. Aber Dyingromeo hatte ja für dieses WE mal VKN's zugesagt. Hach, ich musste mich heute auch echt überwinden, ich war in so vielen Stau's (Dank nochmal an die zahlreichen Umleitungen auf der A 1), mir fielen schon die Augen zu. Hach, orthographische Fehler schlichen sich auch ein, aber das repariere ich morgen. Na, ich bin schon mal gespannt auf weitere VKN's.

Beste Grüsse Kerstin
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