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Toskana
04.04.2007, 19:11
Beitrag: #1
Toskana
Hallo zusammen,

die Lektüre dieser Diskussion um Nipozzano, machte mich auf eine Flasche neugierig:

[Bild: 15992.gif]

Mit etwas Reife stelle ich mir den 03er zu Bistecca ganz spannend vor.

Viele Grüße
Felix

riesling|blog
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05.04.2007, 11:31
Beitrag: #2
RE: Toskana
Hallo Felix

Na, auch der Nipozzano kann halt den 2003er nicht verleugnen. Da Nipozzano aber zu den hochgelegenen Lagen in der Toskana gehört, ist dieser "süßliche" Charakter des 2003er nicht ganz typisch für den Nipozzano.

Mit vinophilen Grüssen

Armin
http://www.gutsweine.com
alle Meine Postings geben nur meine Meinung wider, es handelt sich definitiv nicht um göttliche Offenbarungen! Wink

Zitat: Dumme Menschen machen immer den gleichen Fehler, intelligente immer Neue!
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22.04.2007, 22:29 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.04.2007 22:29 von Darius.)
Beitrag: #3
RE: Toskana
Hallo,

entgegen unserer sonstigen Vorliebe gab es gestern zwei (relative) Jungweine aus der Toskana. Die Verfuegbarkeitslage hier laesst eben nichts anderes zu. Beide Weine koennen von der Rebsortenzusammensetzung als Super-Toskaner durchgehen, zeigten aber einen ueberraschend deutlichen Kontrast. Sie stammen beide aus dem Bolgheri-Gebiet. Guidalberto wird als I.G.T. (Indicazione Geografica Tipica), Piastraia als ein Wein der D.O.C. Bolgheri Rosso vermarktet.

1) "Guidalberto" 2004, Tenuta San Guido, Zweitwein des "Sassicaia" (Cuvee aus 45% Merlot, 45% Cabernet Sauvignon und 10% Sangiovese).

2) "Piastraia" 2003, Michele Satta (Cuvee aus je 25% Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Sangiovese)

Bei Parker/Galloni bekommt der Guidalberto 91, Piastraia 92 Punkte. Auch preislich spielen sie in derselben 30 Euro-Liga.

Auf dem Papier eine klare Sache. Ein Wein aus einem als klassisch beschriebenen Jahrgang wie 2004 gegen einen aus dem extrem heissen 2003, welches oft ueberreife und zu alkoholstarke Weine hervorbrachte. Doch bereits ein Blick auf den jeweiligen Alkoholgehalt macht stutzig. Der 2003er Piastraia bringt es auf fuer den Jahrgang aussergewoehnlich niedrige 13.5%, der Guidalberto dagegen auf 14.5%.

Die Weine wurden nacheinander getrunken. Guidalberto bekam nur Luft in der Flasche (ca. 4h), Piastraia wurde 1 h vor dem Trinken doppelt dekantiert.

1) Guidalberto: In der Nase von guter Komplexitaet eine klassische Kirschnote, jedoch auch leichte Noten von gruener Paprika und eine praesente, aber nicht stoerende Holznote, darunter liegend eine feine Mineralitaet. Im Mund korrespondierend mit einer eine gewisse Frische schaffenden Saeure, sehr sauber vinifiziert. Der Wein zeigt bei sehr guter Tiefe eine gute Struktur, ist sehr lang und die Aromen sind sehr gut definiert. Insgesamt wirkt der Wein allerdings auf einen "internationalen Geschmack" getrimmt. Die Tanninstruktur wirkt fuer so einen jungen toskanischen Rotwein bereits sehr rund, der Wein wurde deutlich auf junge Trinkbarkeit hin getrimmt. Dies nimmt ihm deutlich ein Stueck seines Charakters. Zum jetzigen Zeitpunkt dennoch 90 Punkte, der Wein sollte aber in der jetzigen Fruchtphase getrunken werden, wohl am Besten in den naechsten 1-2 Jahren.

2) Piastraia: In der Farbe etwas dunkler als der Guidalberto, er braucht deutlich mehr Luft (daher das Dekantieren). Schon die Nase praesentiert sich atypisch fuer einen 2003er: Gute Komplexitaet mit Noten von Orange und Hagebutte, dazu Suessholz und eine salzige Note, der Barrique-Ausbau ist spuerbar, aber aehnlich wie beim Guidalberto bereits gut eingebunden, von eingekochten Noten keine Spur, im Mund dann eine fuer 2003 fast schon schockierende Kuehle und Frische, zur Orangenaromatik gesellen sich Doerr-Aprikosen und Mandarinen sowie Mineralik. Eine gute Saeure spendet die erwaehnte Frische. Sehr gute Tiefe bei guter bis sehr guter Struktur und sehr guter Laenge. Der Wein wirkt deutlich extraktstaerker als der Guidalberto.
Er macht sich im Gegensatz zum Guidalberto, der deutlich als Solist auftritt, auch als Essensbegleiter zu einem Rindersteak mit Ofenkartoffeln hervorragend und ist der deutlich charakterstaerkere Wein. Einer der besten 2003er, die wir aus der Toskana kennengelernt haben.
Derzeit 91 Punkte , auch dieser Wein duerfte sich in der jetzigen Fruchtphase am besten praesentieren, hier sollte man aber ein paar Jahre mehr Zeit haben.

Viele Gruesse,

Darius

Ich liebe Rotweine, die die Finesse von grossen Weissweinen besitzen.
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14.06.2007, 12:43
Beitrag: #4
RE: Toskana
Neulich bei einer feisten Weinsause unter Freunden kamen auch zwei nette Toskaner zum Zuge.

Begleitend zu diversen Antipasti (Meeresfrüchte, Anchovis, San Danielle, Carpaccio, getrockenete Tomaten) kamen beide Weine hervorragend zur Geltung.

Hier ein paar Eindrücke:

Chianti Classico Riserva,Tenta Marchese Antinori, 2000
Sehr leckeres, charmantes Tröpfchen, ein wenig Mainstream-Typ, untermalte allerdings alle Gerichte ganz ausgezeichnet.
Herrliches Rot mit dunklem Kern, volle und reife Frucht, sanfte Art.
Spontane Begeisterung in der Runde (nach vorherigem Montiano/Falesco). Eher zurückhaltende Nase, aber viel Frucht und dezente Würze am Gaumen. Einfach ein harmonischer Wein, der allen mundete.

Den würde ich immer wieder nehmen, wenn auch mal Wein-Einsteiger mit am Tisch sitzen.

Campaccio IGT, Terrabianca, 1997
70% Sangiovese, 30% Cabernet Sauvignon
Hatte richtig Wucht, war aber im Vergleich nicht so easy zu trinken.
Sehr interessante, üppige und würzige Nase.
Dunkel, vollreife Beerenfrucht, etwas rauchig, viel Muskulatur, dadurch etwas rauher.
Kein Charmeur, aber ein gestandener Weintyp mir Seele.
Passte vor allem gut zum Carpaccio.
Allerdings auch schon recht reif, d.h. Nachverkostung am Folgetag war schon leicht oxidativ und bitter.
Ein insgesamt fordernder, aber schöner Wein.

Zusammen mit dem eingangs erwähnten, merlottypischen und vollbeerigen Montiano 1998 hatten wir damit drei sehr wackere und durchaus ansprechende Italiener in der großen Runde von 19 Weinen aus Europa und Übersee...

Salute!

Weinonkel
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22.07.2007, 23:54
Beitrag: #5
RE: Toskana
Hallo,

aus dem derzeit sehr gehypten 2004er Jahrgang in der Toskana (irgendwie erinnert mich das alles an 1997, und wie wir heute wissen, war lange nicht alles Gold, was da glaenzte):

Poliziano, Vino Nobile di Montepulciano 2004, 85% Sangiovese und 15% andere Rebsorten, darunter Merlot

In der Nase von guter Komplexitaet Sauerkirsche, Pflaumenkompott, Erdbeere und Holz. Im Mund korrespondierend mit guter Aromendefinition, starke Saeure und Alkohol (13.5%) koennen noch im Zaum gehalten werden. Die Struktur ist gut bei mittlerem Koerper und guter Laenge. Gute, aber keine besondere Vielschichtigkeit. Starke Tannine, die noch etwas feiner sein koennten.
Relativ internationaler Stil (Merlot-Einfluss ist deutlich spuerbar), kaum ein Wein, den man blind der Toskana oder speziell Montepulciano zuordnen wuerde. Dies passt zum Stil Polizianos der letzten Jahre.

Was mich persoenlich stoert, ist, dass ich fuer diesen Wein keine Verwendung finde. Fuer einen Solisten bietet der Wein nicht genug interessante Seiten und als Essensbegleiter (es ist der Zweitwein des Gutes) ist er aufgrund des doch merkbaren Alkohols und der damit verbundenen niedrigen Trinkigkeit nur sehr eingeschraenkt brauchbar.

87 P., allerdings ohne Ambitionen zum Nachkauf.


Viele Gruesse,

Darius

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23.07.2007, 15:07
Beitrag: #6
RE: Toskana
Hallo Darius,

als Essensbegleiter zu kräftigen Fleischgerichten kann ich mir den Wein (ich kenne ihn) durchaus vorstellen. Hast Du den 03er probiert? Den fand ich für seine Preisklasse phänomenal. Den 04er fand ich deutlich schlechter.

Was Internationalität und Austauschbarkeit betrifft, ist dies glaube ich auch etwas Teil der Perspektive. Für jemanden, der anders als Du kein Experte für toskanische Weine ist und diese seltener trinkt, ist er vielleicht toskanischer (oder zumindest italienischer) als Du meinen könntest. Ich habe ihn jedenfalls mal blind vorgesetzt bekommen ohne auch nur einen Ansatzpunkt über seine Provinienz zu bekommen und habe ihn zumindest als Italiener mit Sangiovesedominanz erkannt (und ich halte mich nicht für einen begnadeten "Ratespielverkoster", habe aber dennoch Spaß am Herumraten ;-)).

--
So Long...

Alexander
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23.07.2007, 21:07
Beitrag: #7
RE: Toskana
Hallo Alexander,

den 03er kenne ich nicht, ich habe nur das Flagschiff "Asinone" aus 2003 bei einer Verkostung probiert und das war fuer mich ein klares Kind des Jahrgangs.
Ich habe jetzt aber schon mehrere Weine gefunden, bei denen der 03er staerker als der 04er ist, ein "klassischer" Jahrgang muss hier nicht unbedingt der bessere sein.
04 sollen aber eben vor allem die Sangiovese-Cabernet oder -Merlot-Cuvees gelungen sein, kann ich hier nicht wirklich sagen.

Es kann durchaus sein, dass die extrem hohe Luftfeuchtigkeit im kanadischen Sommer Weine weniger trinkig erscheinen laesst als sie in Deutschland waeren, dies vielleicht als Einschraenkung, was den Part als Essensbegleiter angeht. Ich habe zumindest die Beobachtung gemacht, dass sich die Weine unter diesen Bedingungen erheblich langsamer oeffnen.


Viele Gruesse,

Darius

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24.07.2007, 20:24 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.07.2007 20:29 von UlliB.)
Beitrag: #8
RE: Toskana
Hallo Darius,

für mich zählt Poliziano in einer Gegend, in der vorwiegend rustikale, ziemlich grob gestrickte Weine erzeugt werden (wo das "Noble" im Vino Nobile sein soll, ist mir jedenfalls bislang unklar geblieben), zu den wenigen wirklich guten Erzeugern; internationale Stilistik hin oder her (was Typizität des Poliziano-VN betrifft, sehe ich die Sache genau so wie Alexander).

Nicht zum Essen? Warum denn nicht? Kommt doch nur darauf an, was es gibt. Typisch toskanische Gerichte wie breite Bandnudeln mit Wildschweinragout nehmen es auch mit einem Vino Nobile mühelos auf, und das lokale Tegamaccio - ein kräftig gewürztes Fischragout (!) - verlangt geradezu nach einem Rotwein von diesem Kaliber.

Es soll ja auch Leute geben, die einen St.Estephe cru bourgeois aus einem mittelmäßigen Jahr zum Essen trinken. Trinkigkeit ist ziemlich relativ...

Gruß
Ulli
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24.07.2007, 22:46
Beitrag: #9
RE: Toskana
Hallo,

ich finde Poliziano auch recht brauchbar, vor allem zu den Kursen, die man in Deutschland dafür zahlt. Die Verfügbarkeit ist gut und selbst den Rosso kann man in Jahrgängen wie 2003 gut trinken. Ansolut überflüssig ist m.E. der Le Stanze, da darf Internationalität dann auch gerne als Negativ-Beschreibung gelten - gesichtsloser Stoff!

Viele Grüße
Felix

riesling|blog
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25.07.2007, 00:19
Beitrag: #10
RE: Toskana
Hallo Felix,

jetzt wirds interessant.

Den "Le Stanze" sehe ich bislang als den staerksten Wein von Poliziano. Allerdings kenne ich keine Jahrgaenge nach 2000 und die Vinifizierung des "Asinone" wurde seitdem auch deutlich "internationaler" gestaltet.
Auf welchen "Le Stanze" beziehst Du Dich?

Viele Gruesse,

Darius

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